Die Geschichte des Jagdgeschwaders 3

Am 1. April 1936 wird in Bernburg die I./JG 232 unter Oberst Bruno Lörzer aufgestellt. Bereits im Spätherbst 1936 erhält sie die Bezeichnung I./JG 137. Die Nachfolge von Oberst Lörzer tritt Major Weinert an. Unter Major Freiherr von Houwald erfolgt am 1. Juli 1937 die Aufstellung der II./JG 137 in Zerbst. Zum 1. November 1938 wird in Bernburg durch Major Max Ibel der Geschwaderstab JG 231 gebildet. Diesem Stab unterstehen die nochmals zum 1. November 1938 umbenannten beiden Gruppen: I./JG 231 Bernburg - vorher I./JG 137 - unter Hauptmann Gentzen und II./JG 231 Zerbst - vorher II./JG 137 - unter Major von Houwald.
Der Stab JG 231 wird am 1. Mai 1939 umbenannt in Stab JG 3, dem die I./JG 3 in Zerbst - vorher II./JG 231 - untersteht, während die I./JG 231 unter Hauptmann Gentzen in Bernburg aus dem Verband ausscheidet und die I./ZG 2 wird.

Mit Kriegsbeginn - Anfang September 1939 - erfolgt die Umbenennung des Geschwaderstabes JG 3 in Stab JG 27, der am 27. September 1939 nach Münster-Handorf verlegt. Gleichzeitig entsteht unter der Führung von Oberstleutnant Carl Viek in Brandis aus dem Personalstamm des JG 2 .Richthofen" ein neuer Geschwaderstab JG 3 in Döberitz, dem als einzige Gruppe die I./JG 3 in Zerbst untersteht. Seit dem 3. November 1939 ist Hauptmann Günther Lützow Gruppenkommandeur dieser I./JG 3, die im Januar 1940 in den Raum Bonn verlegt.
Am 1. Februar 1940 stellen Hauptmann Erich von Seile in Zerbst die II./JG 3 und am 1. März 1940 Hauptmann Walter Kienitz in Jena die III./JG 3 auf. Das Geschwader nimmt mit wechselnden Unterstellungsverhältnissen am Frankreich-Feldzug teil und liegt Ende Mai 1940 mit der I., II. und III. Gruppe auf Plätzen um St. Pol.

Nach Beendigung des Westfeldzuges bleibt das Geschwader in Frankreich, die I. Gruppe in Grandvilliers, die II. Gruppe in Brombois und die III. Gruppe in Guines - zwischenzeitlich in Bönninghardt. Am 19. September 1940 wird Major Günther Lützow Kommodore. In der Luftschlacht um England sind die Einsatzplätze von Stab JG 3, Major Günther Lützow, in Samer; der I./JG 3, Hauptmann Hans v. Hahn, in Colombert und Wizernes; der II./JG 3, Hauptmann Erich v. Stelle, in Samer und Arques sowie der III./JG 3, Hauptmann Balthasar Wiekeln, in Desvres.

Nach Beendigung der Luftschlacht um England bleibt das Geschwader an der Kanalküste auf Plätzen um Desvres und St. Pol. Mitte Februar 1941 erfolgt eine kurzfristige Ablösung zur Auffrischung. Bereits Ende April kehrt das Geschwader an den Kanal zurück auf die Plätze bei St. Pol, Monchy-Breton und Lillers.

Für den Aufmarsch zum Ostfeldzug wird das Geschwader Anfang Juni 1941 nach Osten verlegt, wo es im Verband des V. Fliegerkorps eingesetzt wird, die I./JG 3 unter Hauptmann Hans v. Hahn, die II./JG 3 unter Hauptmann Lothar Keller und die III./JG 3 unter dem Kommando von Hauptmann Walter Oesau. Das gesamte Geschwader kämpft zunächst im Südabschnitt, ab Ende September im Mittelabschnitt. Am 15. Juli 1941 meldet das JG 3 den 1000. Luftsieg. Gleichzeitig wird die I./JG 3 nach Deutschland verlegt, scheidet aus dem Verband aus und wird II./JG 1.
Am 25. Oktober 1941 meldet der Wehrmachtsbericht:"Major Lützow errang am 24. Oktober seinen 101. Luftsieg." Am 8. November 1941 gehen Stab, 11. und III. Gruppe zur Auffrischung nach Wiesbaden und Mannheim: Stab JG 3 (Lützow) nach Wiesbaden, I./JG 3 (Michalek) zur Neuaufstellung nach Wiesbaden, II./JG 3 (Krahl) nach Mannheim und die III./JG 3 (Andres) ebenfalls nach Wiesbaden. Am 17. November 1941 - dem Todestag von Generaloberst Ernst Udet - wird dem Jagdgeschwader 3 der Name .Udet" verliehen.

Das Jahr 1942 beginnt für die II./JG 3 .Udet" mit dem Einsatz auf Sizilien mit dem Schwerpunkt Malta, der bis Ende April dauert. Die III. Gruppe verlegt von Februar bis April in den Nordabschnitt der Ostfront: Ilmensee, Demjansk und Cholm. Die große Sommeroffensive in Richtung Stalingrad erlebt das Geschwader im Verband des VII. Fliegerkorps. Das Oberkommando der Wehrmacht meldet am 30. Mai 1942: "Das Jagdgeschwader Udet errang am 28. Mai seinen 2000. Luftsieg". Am 20. Juli 1942 gibt der Wehrmachtsbericht bekannt: "Das Jagdgeschwader Udet errang seinen 2500. Luftsieg".

Im August 1942 übernimmt Major Wolf-Dietrich Wilcke als Kommodore das Geschwader, das er bis zu seinem Tode am 23. März 1944 führt. Stab und zwei Gruppen liegen von Mitte November 1942 bis Mitte Dezember im Kessel Stalingrad. Eine verstärkte Staffel verbleibt dort bis Januar 1943, wobei das Bodenpersonal das Schicksal der 6. Armee teilt. Das Jahr 1943 beginnt für das Geschwader mit der Teilnahme an der Abwehrschlacht zwischen Don und Donze, anschließend teilweiser Einsatz am Kuban-Brückenkopf sowie in der Schlacht um Kursk-Orel.

Im April 1943 kommen der Geschwaderstab und die I. Gruppe zur Auffrischung zurück nach Deutschland, wo sich bis August das gesamte Geschwader versammelt. Damit beginnt der verlustreiche Einsatz in der Reichs-Lufverteidigung. Stab und I. Gruppe liegen im westdeutschen Raum als Höhenjagdgruppe ab Juni 1943, desgleichen die II. Gruppe im holländisch-belgischen Gebiet, die III. Gruppe ab August in Süddeutsch land. Im Juni 1943 erfolgt in Neubiberg die Aufstellung der IV./JG 3 unter Hauptmann Wilhelm Moritz, die von Juli bis September nach Italien zur Abwehr der alliierten Invasion "Südeuropa" verlegt.

Im Jahr 1944 Einsatzschwerpunkt weiterhin die Reichsverteidigung. Die IV. Gruppe wird zur "Sturmgruppe" mit der gepanzerten FW 190 umgerüstet. Nach dem Tod von Oberst Wilcke am 23. März 1944, der im Luftkampf mit Mustangs tödlich abgeschossen wird, übernimmt Major Friedrich-Karl Müller als Kommodore das Geschwader. Er stürzt am 29. Mai 1944 bei der Landung in Salzwedel tödlich ab. Neuer Kommodore wird im Juni 1944 Oberstleutnant Heinz Bär.
Zur Abwehr der alliierten Landung in der Normandie fliegen der Geschwaderstab, II. und III. Gruppe im Invasionsraum und erleiden dort große Verluste. Im September Zurückverlegung ins Reich zur Auffrischung, doch ab Mitte November steht das JG .Udet" wieder im Westen in der Reichsverteidigung, dabei die I. Gruppe in der Höhenjagd, die IV, Gruppe als Sturmgruppe.

Ab 16. Dezember Einsatz in der Ardennen-Offensive. Das Jahr 1945 beginnt mit dem .Unternehmen Bodenplatte", Ziel des Geschwaders ist am 1. Januar Eindhoven, Ende Januar geht Oberstleutnant Heinz Bär zum JV 44 Galland, Major Werner Schröer wird letzter Kommodore.

Als im Osten die Front vor dem Ansturm der sowjetischen Truppen zerbricht, wird das Geschwader dorthin verlegt. Der Kampf an der Oderfront, die Schlacht um Berlin, der Sondereinsatz gegen die Oderbrücken kennzeichnen die letzten vergeblichen Anstrengungen des Geschwaders, der fliegenden Besatzungen und der unermüdlichen Techniker. Ende April 1945 erfolgt der Rückzug nach Schleswig-Holstein, dort wird das Jagdgeschwader "Udet" aufgelöst - nach etwa 6400 Luftsiegen.

Zusammengestellt von Anton Weiler nach den Quellen aus den Veröffentlichungen von Karl-Heinz Völker: ,Die deutsche Luftwaffe 1933-39', Wolfgang Dierichs: ,Die Verbände der Luftwaffe', und Karl Ries: ,Luftwaffen-Story'. Entnommen aus: Das Jägerblatt - Offizielles Organ der Gemeinschaft der Jagdflieger e.V., Ausgabe 2/1985